Social entrepreneurship (DE)

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Social Entrepreneurship / Social Entrepreneur

Siehe auch: Sozialwirtschaft, Sozialunternehmen, Genossenschaftliche Grundsätze

Im wissenschaftlichen Diskurs ist der Begriff ’Social Entrepreneurship’ nicht einheitlich definiert. Es existiert eine Bandbreite von Definitionen mit zum Teil erheblich unterschiedlichen Interpretationen (vgl. Mair/ Marti, 2006). Uneinigkeit besteht vor allem darüber, ob die Einkommenserzielung von Sozialunternehmen ein definitorisches Element ist (vgl. Abbildung 2), aber auch der Innovationsgrad, sowie die Definition von Innovation (in diesem Kontext) stellen Streitpunkte dar (vgl. Achleitner/ Heister, 2008, 151; Martin/ Osberg, 2007). Auf die verschiedenen Begriffsdefinitionen von Social Entrepreneurship soll in dieser Arbeit jedoch nicht näher eingegangen werden, da hierzu schon eine Fülle an Literatur existiert.<ref>Vgl. Mair/ Marti (2006) für eine Übersicht der Definitionen.</ref>

Die hier zu erarbeitende Definition wird sich grundsätzlich an Achleitner (et al., 2007b), Dees (2004) und Leppert (2008) halten. Achleitner (et al., 2007b) folgend soll deshalb Social Entrepreneurship (übersetzt mit Sozialunternehmertum) als ein spezieller Typus – nämlich als sozialwirtschaftliches Pendant – des klassischen Entrepreneurship verstanden werden. Während Letzteres im Regelfall primär ökonomischen Zwecken dient, zielt Social Entrepreneurship auf eine bessere Erfüllung sozialer Versorgungsaufgaben und somit letztendlich auf eine Effizienzsteigerung innerhalb der Sozialwirtschaft ab (vgl. Achleitner et al., 2007b, 29). Es soll jedoch auch klar abgegrenzt werden vom gesellschaftlich verantwortungsvollen Handeln oder bewussten gesellschaftlichen Engagement von klassisch gewinnorientierten Unternehmen. Denn im Sinne des so genannten ’Corporate Citizenship’ ist das soziale Engagement nicht Hauptzweck der Unternehmung (vgl. Freiling, 2006, 43).

Des Weiteren orientiert sich die Definition dieser Arbeit an der Leppert (2008), welche vor allem auch deutsche Spezifika des Social Entrepreneurship mit in die Definition aufnimmt. Diese basiert auf den drei zentralen Konstrukten: „unternehmerisches Handeln“, „sozial“ und „innovativ“ (vgl. Leppert, 2008). Angesichts der Identifikation unternehmerischen Handelns legt Leppert (2008) einen prozessualen, gründungsbezogenen theoretischen Ansatz zugrunde, der sich auf den Prozess des Erkennens von Gelegenheiten und deren Umsetzung konzentriert (vgl. Abbildung 1). Er folgt dabei Bygrave/ Hofer (1991), die diesen wie folgt beschreiben. „The entrepreneurial process involves all the functions, activities, and actions associated with the perceiving of opportunities and the creation of organizations to pursue them” (Bygrave/ Hofer, 1991: zitiert nach Leppert, 2008, 17).

Abb. 1: Entrepreneurship Prozess (Eigene Darstellung nach Fueglistaller et al., 2007,12).

Mit der Konzentration auf den eigentlichen Gründungsakt und dessen Vorgeschichte wird hier ein Element herausgearbeitet, das in der Beobachtung der Praxis eindeutig identifizierbar ist und Entrepreneurship – nicht wie viele andere Definitionen – erst nach dem Erfolg eines Unternehmens definierbar macht. Dees (et al., 2002) Beschreibung von Social Entrepreneurship als Prozess folgend, handelt also derjenige (sozial-) unternehmerisch, der eine Möglichkeit (ein soziales Problem) erkennt, eine (Geschäfts-) Lösung dafür entwickelt und die Risiken der Umsetzung in eigener Verantwortung auf sich nimmt. Den Social Entrepreneur unterscheidet demnach von anderen Akteuren der Sozialwirtschaft, dass er selbst ein Projekt gründet und die Umsetzung seiner eigenen Idee beginnt, statt sich lediglich bei bereits bestehenden Projekt zu beteiligen<ref>Zwar erkennt der Autor der vorliegenden Arbeit, dass Social Entrepreneurship auch innerhalb der Grenzen schon bestehender Unternehmen existieren kann, dies fällt jedoch in den Bereich des so genannten ‚Social Intrapreneurship’ (vgl. Gergs, 2007) und soll auf Grund des Fokus dieser Arbeit auf soziale Unternehmensgründungen bewusst ausgeklammert werden.</ref> (vgl. Leppert, 2008, 18).

Für das Verständnis des Begriffs ’sozial’ schlägt Leppert (2008) weiterhin einen politikwissenschaftlich geprägten Ansatz der Gemeinwohlorientierung vor. Dieses Gemeinwohl definiert Fraenkel (1973) als die „(…) Resultante, die sich jeweils aus dem Parallelogramm der ökonomischen, sozialen und politischen und ideologischen Kräfte einer Nation ergibt“ (Fraenkel, 1973: zitiert nach Leppert, 2008). Somit ist das Ergebnis solcher gesellschaftlicher Diskurse im Zeitverlauf inhaltlich wandelbar. In Deutschland kann als Kodierung dieses Verständnisses die Abgabenordnung (AO) betrachtet werden, welche die aktuellen, als Gemeinwohl fördernd geltenden Bereiche beschreibt (vgl. Kapitel 5.1.3). Sozial wäre ein Unternehmer nach Lepperts (2008) Definition dann, wenn sein Unternehmen im Kerngeschäft ein (gemäß dem aktuellen gesellschaftlichen Konsens) am Gemeinwohl ausgerichtetes Problem adressiert (vgl. Leppert, 2008, 14). Wirtschaftliche Aktivitäten können das Kerngeschäft unterstützend begleiten (vgl. Definition Sozialunternehmen.)

Der Innovationsbegriff spielt bei den meisten Definitionen von Social Entrepreneurship eine entscheidende Rolle. Basierend auf einem Schumpeterschen Verständnis des Entrepreneurs – als verändernde, treibende Kraft, welche durch die „schöpferische Zerstörung“ (Schumpeter, 1950, 214ff)) den Wirtschaftsprozess voran bringt – wird auch dem Social Entrepreneur die Rolle des Innovators, des „Treibers sozialen Wandels“ (Dees, 2002, 24ff) zugeschrieben. Das Problem an dem dabei verwendeten Innovationsbegriff mit seiner Qualität als objektiv systemverändernde Entwicklung ist jedoch, dass diese extrem schwer zu messen ist. Da die von den handelnden und betroffenen Personen wahrgenommene Neuheit wesentlich besser identifiziert werden kann, schlägt Leppert (2008) deshalb die Verwendung der Kategorie einer „Neuheit der subjektiven Wahrnehmung“ vor (Hausschildt, 2004, 4: zitiert nach Leppert, 2008, 18). Dies beinhaltet, dass eine Idee auch dann als neu und damit als innovativ bezeichnet werden kann, wenn sie schon von anderen Individuen oder Organisationen genutzt wird, sich aber noch nicht allgemein durchgesetzt hat (vgl. Leppert, 2008, 18). Dies entspricht einer Interpretation des Innovationsbegriffs, der den Charakter einer neuen Idee für das soziale System, auf das es sich bezieht, beinhaltet (Martin, 2004, 17).

Somit ergibt sich für das Verständnis von Social Entrepreneurship für die vorliegende Arbeit in Anlehnung an Dees (2002), Achleitner et al. (2007b) und Leppert (2008) folgende Arbeitsdefinition:

Social Entrepreneurship in Deutschland ist sozialunternehmerisches Handeln im Sinne der Erkennung und Entdeckung konkreter, am Gemeinwohl orientierter sozialer Probleme, der Entwicklung gänzlich, persönlich oder zielgruppenspezifisch neuer Lösungsstrategien und deren realer Umsetzung durch die Gründung eines Sozialunternehmens. Social Entrepreneurs sind dementsprechend Menschen, die in diesem Sinne sozialunternehmerisch tätig sind.

Notes

<references/>

Quelle: Michael Vollmann, Social Entrepreneurship in Deutschland. Gründungsbezogene Rahmenbedingungen der deutschen Sozialwirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Gründungsaktivität von Social Entrepreneurs. Universität Passau, 2008. Diplomarbeit im Studiengang ’Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien’. Diese Arbeit entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit der Ashoka Deutschland gGmbH. http://ssrn.com/abstract=1162734