Sozialunternehmen

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Sozialunternehmen

Siehe auch Sozialwirtschaft, Social entrepreneurship (DE), Genossenschaftliche Grundsätze

Als Sozialunternehmen soll in Anlehnung an Mort et al. (2003) die Organisation bezeichnet werden, welcher sich ein Social Entrepreneur zur Erreichung seiner sozialen Ziele bedient. Somit bildet der Begriff das Pendant auf der institutionellen Ebene zu der oben genannten Arbeitsdefinition von Social Entrepreneurship.

Als Sozialunternehmen wird in dieser Arbeit jede Organisation bezeichnet, deren primäres Ziel die effiziente Bereitstellung sozialer Dienstleistungen mit Hilfe innovativer Angebots- und Lösungsstrategien ist und die sich dabei unternehmerischer Ansätze bedient.

Die Rechtsform oder Einkommensstruktur der Organisationen spielt hierbei für die Definition dieser Arbeit keine Rolle. Je nach der bearbeiteten Thematik ist es Sozialunternehmen möglich Einkommen zu generieren, oder nicht. So wäre es theoretisch sogar möglich, dass ein Sozialunternehmen trotz seiner Verfolgung primär sozialer Ziele einen monetären Überschuss erzielt. Dieser darf jedoch, wie bei der Non-Profit Organisation (NPO) nicht an die Anteilseigner ausgeschüttet werden, sondern muss per Definitionem in das Unternehmen reinvestiert werden (vgl. Kapitel 5.1.3; Achleitner et al., 2007b). In dem Punkt, ob und wie viel eigenes Einkommen ein Sozialunternehmen generieren muss, um als solches zu gelten, gehen die Meinungen stark auseinander (vgl. Abbildung 2). Viele Autoren verbinden mit dem Begriff Social Enterprise die Fähigkeit eines Sozialunternehmens, eigenes Einkommen erzielen zu können. Eine Minderheit an Autoren sieht sogar in der finanziellen Autarkie einer Organisation – also die selbständige Deckung sämtlicher Kosten – das definitorische Element für Social Entrepreneurship[1] (vgl. z.B. Boschee/ McClurg, 2003). Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass es in der Realität viel häufiger vorkommt, dass Sozialunternehmen auf Grund ihrer speziellen Zielgruppe langfristig von Spenden abhängig bleiben. So lässt sich z.B. aus der Entwicklung eines neuartigen und viel wirksameren Prozesses zur Resozialisierung straffällig gewordener, rechtsextremer Jugendlicher, wie sie das Violence Prevention Network[2] betreibt, nur schwer ein lukratives Geschäftsmodell entwickeln, da außer dem Staat wohl kein ’Käufer’ für eine solche soziale Dienstleistung zu finden ist. Dies sollte aber kein Grund sein, ein solches Unternehmen nicht als Sozialunternehmen zu bezeichnen, wenn ansonsten die oben genannte Definition darauf zutrifft. Bei einer zunehmenden ’Vermarktung’ sozialer Dienstleistungen ist es gerade zunehmend von Bedeutung, dass der Sozialmarkt insbesondere für Einkommensschwache und Durchschnittsverdiener zugänglich bleibt. Insbesondere in diesem Punkt muss sich der Social Entrepreneur, nach Ansicht des Autors, von einem kommerziellen Anbieter im Sozialmarkt unterscheiden. Ein Sozialunternehmen, im Sinne dieser Arbeit, muss demnach vor allem auch die schwer erschließbaren – für rein kommerzielle Anbieter unrentablen – Segmente des Marktes für soziale Dienstleistungen bedienen. Oft wird dies durch innovative Geschäftsmodelle und Querfinanzierungen mit anderen Käuferschichten ermöglicht, häufig ist es aber für eine Sozialunternehmen nicht möglich alle dadurch anfallenden Kosten zu decken.

Deshalb soll die Erzielung eigenen Einkommens in dieser Arbeit nicht als definitorisches Element verwenden werden, da hierdurch eine genaue Abgrenzung (wie in der dritten unteren Sparte von links in Abbildung 2 versucht) der einzelnen Begrifflichkeiten kaum möglich ist.

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Notes

  1. Vgl. für eine Übersicht der Definitionen Alter (2004, 5f.)
  2. Vgl. http://www.violence-prevention-network.de

Quelle: Michael Vollmann, Social Entrepreneurship in Deutschland. Gründungsbezogene Rahmenbedingungen der deutschen Sozialwirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Gründungsaktivität von Social Entrepreneurs. Universität Passau, 2008. Diplomarbeit im Studiengang ’Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien’. Diese Arbeit entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit der Ashoka Deutschland gGmbH. http://ssrn.com/abstract=1162734